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Nachhaltigkeit globalen Lernens durch Langzeitaufenthalte in Entwicklungsländern

Ergebnisse eines Lehrforschungsprojekts im Masterstudiengang Soziale Arbeit 2008/09

Forschungsfrage
Inwieweit befördern Langzeitaufenthalte in "Entwicklungsländern" die Nachhaltigkeit globalen Lernens? - Aus der Perspektive von Freiwilligen und Trägerorganisationen.

  • durchgeführt von Fabiana Cenzi, Verena Jacob, Senay Yazgan;
    betreut von Prof. Dr. Nausikaa Schirilla

Sondierungsgespräche und Interviews

Die Studierenden führten von März 08 – Januar 09 Sondierungsgespräche und insgesamt 8 Interviews mit ehemaligen Freiwilligen durch, die im Durchschnitt ein Jahr lang in einem Land der so genannten Dritten Welt ein Freiwilliges soziales Jahr oder ein Auslandspraktikum absolviert  hatten, was nicht mehr als drei Jahre zurück lag.

Parallel dazu wurden ca. 250 Trägerorganisationen zu deren Vor- und Nachbereitung und Begleitung der Aufenthalte online befragt. Die Studierenden wollten wissen, wie nachhaltig globales Lernen bei Langzeitaufenthalten in Entwicklungsländern ist, was die Nachhaltigkeit befördert und wie Träger diese Nachhaltigkeit unterstützen können.

Ergebnisse  

  • Auf der persönlichen Ebene fanden bei allen Interviewten starke Veränderungen statt. Der Aufenthalt bewirkte, dass die Freiwilligen lockerer, offener und flexibler wurden. Durch die Steigerung der Empathiefähigkeit, Toleranz und Offenheit gegenüber Kulturen veränderte sich die Einstellung der Freiwilligen in Bezug auf Menschen und Handlungsformen anderer Kulturen und Gesellschaften. Kulturen werden differenzierter wahrgenommen und Vorurteile haben sich abgebaut.
  • Die Freiwilligen empfinden viele Probleme in Deutschland als nicht mehr so wichtig und die positiven Aspekte der deutschen  Lebensweise werden bewusster wahrgenommen.
    Die Mehrheit der Freiwilligen kritisiert die Konsumgesellschaft stärker als vor dem Aufenthalt. Einige von ihnen haben ihr Konsumverhalten bewusst verändert.
  • Die Einstellung der Freiwilligen gegenüber Entwicklungszusammenarbeit hat sich verändert. Die Freiwilligen sehen Aufklärungsarbeit wichtiger als Hilfe. Auch die beruflichen Pläne wurden durch den Freiwilligendienst beeinflusst.
    Die Freiwilligen bemühen sich auch darum, die im Aufnahmeland erlernte Sprache nicht zu verlernen, indem sie Gelegenheiten suchen, diese zu sprechen.
  • Die interviewten Freiwilligen waren alle bereits vor ihrem Auslandsaufenthalt ehrenamtlich engagiert. Der Schwerpunkt lag dabei im sozialen Bereich. Der Auslandsaufenthalt trug vor allem dazu bei, dass das Engagement der Freiwilligen politischer, kritischer und konkreter wurde. Das Engagement wurde verstärkt, widmet sich oft dem Gastland und den Problemen, die die Freiwilligen dort kennen gelernt haben. Auch werden Initiativen gegründet, um die Einsatzstellen im Gastland weiter zu unterstützen.
  • Die Auslandsaufenthalte wirkten also nachhaltig im Sinne von Einstellungsänderungen und der Engagementförderung. Fragt man nach den Gründen hierfür, so liegen diese vor allem in den Erfahrungen im Gastland. Die Haltung der Menschen im Gastland zu ihren Lebensbedingungen (Lebensfreude in widrigen Umständen) war für die Freiwilligen prägend.
    Alle Freiwilligen berichten von prägenden und bleibenden Eindrücken und Beziehungen mit ArbeitskollegInnen, anderen Menschen am Arbeitsplatz oder mit der Gastfamilie. Zu diesen haben sie oft weiterhin Kontakt. Aus dem Auslandsaufenthalt sind oft Beziehungen/Ehen, längere Freundschaften und nachhaltige Kontakte entstanden.
    Zu den Aufnahme- und Entsendeorganisationen gibt es bis auf einige Ausnahmen wenig oder keinen Kontakt mehr.
  • Vorbereitungsseminare finden in allen Organisationen statt. Hierbei werden vor allem die Länder und Bräuche thematisiert. Die Freiwilligen kritisieren, dass die Teilnahme verpflichtend und zu wenig speziell sei. Nachbereitungsseminare fanden in allen Organisationen statt. Die Freiwilligen kritisieren, dass die Nachbereitungsseminare zu früh stattfinden und wenig nachhaltig wären. Es geht vor allem um Erfahrungsaustausch und weniger um Reflexion. Viele Freiwilligen wünschen sich unterstützende Strukturen um Nachhaltigkeit zu erzielen. Diese sollten unter anderem darin bestehen, die RückkehrerInnen bei möglichen Problemen aufzufangen. Bei allen Aktivitäten, die die Träger anbieten, sollte der Ansatz gelten, die Freiwilligen dort abzuholen, wo sie gerade stehen, sie in ihren Vorhaben zu unterstützen und nichts verpflichtend zu machen.

Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse

  • Nachhaltigkeit globalen Lernens entsteht vor allem durch intensive und positive Erfahrungen in den Einsatzorten und durch Begegnungen mit starken Persönlichkeiten. Daher sollte es für Träger wichtig sein, mehr in die Kommunikation und den Austausch mit den Einsatzstellen im Aufnahmeland zu investieren.

  • Unterstützend zu den positiven Erfahrungen im Aufnahmeland stellt die Begleitung durch die Entsendeorganisation eine wichtige Basis zur Nachhaltigkeit dar. Die Angebote müssen allerdings besser kommuniziert werden oder anders strukturiert sein: flexibler, längerfristig und stärker an die Erfahrungen der Freiwilligen angepasst.

Kontakt

Prof. Dr. Nausikaa Schirilla
Soziale Arbeit, Migration und Interkulturelle Kompetenz
Studiengangsleitung Master Soziale Arbeit
schirilla@kfh-freiburg.de

 
 
 
 
2009, Katholische Fachhochschule Freiburg   |   Kontakt